Kanute Mike Kurt beendet seine Karriere

Solothurner Zeitung

Mike Kurt zählte über ein Jahrzehnt zu den besten zehn Kanuslalomfahrer der Welt. Nun beendet das Aushängeschild der Schweizer Kanuten seine Karriere. Künftig will sich der 36-Jährige voll seiner Crowdfunding-Plattform für Sportler «I believe in you» widmen.

Letztmals stand Mike Kurt vor drei Jahren an den Europameisterschaften in Krakau (Polen) auf dem Podest. Exakt zehn Monate nach der wohl bittersten Niederlage seiner Karriere an den Olympischen Spielen 2012 in London war der Gewinn der Silbermedaille «eine riesige persönliche Genugtuung», wie der Kanute damals sagte. In London brach Kurt im entscheidenden Halbfinallauf sein Paddel und schied aus.

Dass Sieg und Niederlage insbesondere in seiner Sportart nahe beieinander liegen, musste der im Kanton Bern aufgewachsene Kanute immer wieder erleben. Bereits 2004 (in Athen) und 2008 (in Peking) zählte er zu den Medaillenanwärtern, verpasste aber im entscheidenden Lauf einen Spitzenplatz. Insbesondere sein Sieg in der Qualifikation in Athen 2004, bleibt für ihn ein unvergessenes Erlebnis.


Obwohl das Aushängeschild der Kajakfahrer auf der nationalen Bühne jeweils hauptsächlich bei seinen Olympiaauftritten in Erscheinung trat, feierte Mike Kurt seine grössten Erfolge im Weltcup. Als bisher einziger Schweizer stand er auf dem Podest im Gesamtweltcup und konnte in dieser Wertung zwei Mal (2007 und 2010) den zweiten Platz erreichen. Auch an Welt- und Europameisterschaften gewann der Solothurner im Einzel und im Team insgesamt acht Medaillen. 2003 führte er als Startfahrer das Schweizer Team nach über 50 Jahren erstmals wieder zum Weltmeistertitel im Mannschaftswettbewerb.

Die internationale Karriere des Kanuten startete vor 20 Jahren, als er 16-jährig erstmals an den Europameisterschaften in der Elitekategorie teilnahm. Zwei Jahre später gewann der heute 36-jährige zwei Medaillen an den Junioren-Weltmeisterschaften. In der Folge etabliert er sich über ein Jahrzehnt lang unter den zehn besten Kanuten der Welt und konnte bis auf Rang drei der Weltrangliste vorstossen.

Ein «Rücktritt auf Raten»

Es war ein «Rücktritt auf Raten», wie es der Wildwasserkanute selber beschreibt. Anders als seine Konkurrenten aus dem Ausland, hat der studierte Betriebsökonom während seiner sportlichen Karriere nebenher studiert und dann in einem Teilzeitpensum gearbeitet. So haben sich seine Prioritäten über die letzten zwei Jahre immer mehr weg vom Spitzensport hin zu seiner beruflichen Tätigkeit verschoben.

Wichtigste Erfolge:

Zwei Mal 2. Platz Gesamtweltcup (2007 & 2010), Weltranglisten Nr. 3, Einzel Vize-Europameister 2013, Team Europa- und Weltmeister (2003 & 2004), Zweifacher Junioren Vize-Weltmeister 1998 (Einzel und Team), Vize-Studentenweltmeister 2006, 10-facher Elite Schweizermeister, Drei Olympiateilnahmen (Athen, Peking und London). 
Der Solothurner musste sich schliesslich die letzten Monate zugestehen, dass sich seine beruflichen Ambitionen kaum noch mit dem Spitzensport vereinbaren lassen. So zeichnete es sich immer mehr ab, dass die Olympischen Spiele in Rio für ihn wohl kein Thema mehr sein werden.

«Zuletzt bin ich ausschliesslich aus Freude am Sport gepaddelt und habe mein Trainingspensum drastisch reduziert. Trotz guten Resultaten im Weltcup reicht das nicht, um konstant mit der absoluten Weltspitze mitzuhalten und um eine Olympiamedaille zu kämpfen». Dennoch versuchte er vor zwei Wochen an den Europameisterschaften nochmals für die Schweiz einen Quotenplatz für Olympia zu holen. Kurt verpasste ein Tor und damit wird definitiv erstmals seit 1996 kein Schweizer Kajakfahrer bei Olympia am Start sein.

Neue Herausforderung

Vor drei Jahren gründete Mike Kurt zusammen mit dem Fechter Fabian Kauter und dem Online-Spezialisten Philipp Furrer «I believe in you», eine Crowdfunding-Plattform für Sportler. Damit reagiert er sozusagen auf sein eigenes Bedürfnis nach finanziellen Mitteln für den Sport: «Ich musste während meiner Karriere immer auch selber Geld für meinen Sport sammeln und wollte das für andere Sportler vereinfachen », erklärt der Kanute.

Aus der Idee wurde ein erfolgreiches Startup-Unternehmen und Kurt ist als CEO unter anderem für die internationale Expansion des Unternehmens zuständig: «Für mich ist es eine tolle Herausforderung. Ich kann meine Erfahrungen als Sportler und Betriebsökonom in diesem Projekt optimal vereinen».

 

 

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