Melanie Mathys startet am Freitag in Solkan an der Elite-WM im Sprint – und will in die Top 5. Nebenbei büffelt die Solothurnerin fleissig für die mündlichen Maturprüfungen. Trotz der Mehrbelastung, will Mathys auch international voll angreifen.

von Carla Stampfli  Solothurner Zeitung

Auf Knopfdruck erinnert sich Melanie Mathys an die Strecke auf der Soca. Stehendes Gewässer zu Beginn, Gefälle im mittleren Teil der Strecke und kniffliges Schiebwasser gegen Ende. Im letzten Jahr verteidigte die Sportklassenschülerin der Kantonsschule in Slowenien ihren Junioren-Europameistertitel souverän – kein Wunder blieb der Solothurnerin der Fluss in bester Erinnerung. «Mir liegen die Strecken, wo ich mit hohem Speed fahren kann. Die Soca ist nicht so anspruchsvoll, erst ab der zweiten Hälfte hat das Wasser mehr Druck und Strömung», erklärt Mathys.

Weltelite statt Junioren

Nun zieht es die 19-Jährige am Freitag wieder nach Solkan. Einziger Unterschied: Statt auf europäische Juniorinnen, trifft sie auf die Weltelite. «Ich bin sehr gut in Form. Es wäre schön, unter die fünf besten Fahrerinnen zu kommen», sagt sie. Obwohl Mathys im Vergleich zu ihrer Konkurrenz weniger Wildwasser-Erfahrung hat, wirbelte sie in dieser Saison die Elite bereits kräftig auf. In vier internationalen Rennen hat sie dreimal Einzelgold gewonnen, einmal musste sie sich von der Deutschen Sabine Füsser – der fünffachen Europameisterin – geschlagen geben.

Einzig unzufrieden war die Solothurnerin an der Elite-EM Mitte Mai in Bovec, wenige Tage nach der schriftlichen Matur: «Nach der Qualifikation war ich Dritte. Im Finallauf unterlief mir aber ein Fehler und ich büsste zwei Plätze ein». Trotz der Unachtsamkeit wurde sie Fünfte im Sprint und erreichte im Classic-Rennen den 6. Rang. Trost gab es dafür mit der Silbermedaille im Team-Sprint mit Klubkollegin Chantal Abgottspon und der Bruggerin Sabine Eichenberger.

Zweite WM-Teilnahme

Mit einem Trainings- und dem Wettkampfboot im Gepäck, ist Mathys am Montag mit der Schweizer Nationalmannschaft nach Slowenien abgereist. Obwohl sie zum zweiten Mal an einer Elite-WM teilnimmt, gilt es für sie jetzt richtig Ernst. «In diesem Jahr kann ich nicht mehr bei den Juniorinnen starten. Mein Augenmerk liegt nun ganz auf den internationalen Elite-Meisterschaften.» Die Strecke auf der Soca liegt der 19-Jährigen gut, das flache Wasser zu Beginn entspricht ihren Fähigkeiten. «Sobald der Abschnitt mit dem Schiebwasser kommt, muss ich einfach versuchen, die Pace zu halten und nicht gegen das Wasser zu paddeln», erklärt die zweifache Juniorenweltmeisterin.

Eine Frage der Organisation

Dass Mathys am Tag nach Abschluss der WM direkt die mündlichen Maturprüfungen ablegen muss, ist für sie zwar stressig, jedoch auch eine Frage der Organisation und Disziplin: «Ich konnte meine Vorbereitung auf die EM und WM mehrheitlich durchziehen. Nur wenige Trainings musste ich streichen.» Prüfungsdruck hin oder her, sie fühlt sich fit und möchte auch im Team-Sprint ein gutes Resultat herausholen: an der EM wurde das Schweizer Trio von den Französinnen nur um drei Zehntel geschlagen. «Jetzt möchten wir uns revanchieren», sagt sie lachend.