Melanie Mathys zum ersten Mal „nur“ Zweite an den Junioren-Schweizermeisterschaften über die klassische Distanz 

Die Abfahrts-Kanuten trugen auf der Urnerreuss zwischen Amsteg und Erstfeld die Schweizermeisterschaften über die klassische Distanz aus. Die Solothurner Kajakfahrer konnten mit zwei Einzel-Silbermedaillen und drei Teammedaillen zwar einiges an Edelmetall mit nach Hause nehmen, ein Meistertitel fehlte den erfolgsgewohnten Kanuten aber für einmal in ihrer Sammlung.

Kristin Amstutz

Für die grosse Überraschung sorgte für einmal nicht die Solothurnerin Melanie Mathys, sondern ihre Nationalmannschaftskollegin Selina Zimmermann aus Buochs. Die junge Einheimische schlug wider aller Erwartungen ihr grosses Vorbild, die amtierende Welt- und Europameisterin Mathys. Letztere hatte für die Schweizer Meisterschaften nicht gerade eine optimale Trainingsvorbereitung, da ihr Fokus im Trainingsaufbau ganz klar auf der Verteidigung ihres Europameistertitels am übernächsten Wochenende liegt. Die harten Einheiten der letzten Woche lagen der 18-jährigen Kantischülerin noch in den Armen. Die Favoritin spürte schon während des Rennens, dass es hinsichtlich Titel knapp werden könnte.

Selina Zimmermann war schon in den letzten Rennen nicht mehr so weit hinter Mathys zurück und die Solothurnerin merkte auf der anspruchsvollen Strecke immer wieder, dass ihr einige Wildwasserstellen nicht optimal gelangen. So musste sie sich seit langem zum ersten Mal einer Schweizerin geschlagen geben. „ Ich bin zwar sehr enttäuscht, sehe es aber als Weckruf für die EM“, hielt sie fest. Gut für die Moral sei der Tagessieg in der offenen Kategorie tags darauf im Sprint gewesen: „Der gibt mir zusätzliche Motivation, dass ich zur EM hin fit bin“.

Hoch und Tiefs erlebte nicht nur Mathys, sondern auch Nico Meier. Der Solothurner erkämpfte sich mit einem sensationellen Rennen den Vizemeistertitel bei den Junioren. Zum ersten Mal überhaupt konnte er sich hinter Jonas Tschirren gegen alle weiteren Kaderfahrer behaupten. Gleichzeitig zur Schweizermeisterschaft lief für ihn noch die letzte Selektion für die Junioren-Europameisterschaften von nächster Woche. Mit grossen Hoffnungen nach dem Coup im Klassikrennen startete Meier ins nationale Sprintrennen am Sonntagmorgen. Um sich noch für die EM zu qualifizieren, hätte er sich mit gut einer Sekunde Vorsprung auf den Basler Fabian Munsch platzieren müssen. „Nach Lauf eins war ich immer noch auf Kurs. Fabian hatte zwar nicht eine ganze Sekunde Rückstand auf mich, war aber immerhin etwas langsamer“, beschreibt Meier nach dem Rennen den nervenaufreibenden Kampf um das letzte EM-Ticket, „Fabian hatte sich aber im ersten Lauf in der Route etwas verschätzt und drehte im zweiten Lauf, nun auf der richtigen Fahrlinie, nochmals kräftig auf.“ So verlor Meier seinerseits den Kampf um die EM-Teilnahme um eine Sekunde. Die Enttäuschung über die Nichtqualifikation war zwar zuerst sehr gross, Meier weiss aber, dass seine Wintervorbereitung mit einer langwierigen Schulterverletzung alles andere als optimal verlief, und seine Leistungssteigerung nun erst gegen Ende Saison etwas zu spät kam. Er schaut daher positiv in die Zukunft und freut sich schon auf die Herausforderung im nächsten Jahr die Qualifikation für die Junioren-WM zu schaffen und da dann mit aufsteigender Formkurve auch in den Top 20 mitreden zu können.